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11. November 2025

Was hat ein Pinguin mit Krisenkommunikation in der Schule zu tun?

Ein Pinguin ist auf festem Eis perfekt angepasst – sicher, schnell, effizient. Doch sobald das Eis dünn wird, gerät auch er ins Wanken und riskiert den Einbruch. Genauso ergeht es vielen Schulen, wenn plötzlich eine Krise eintritt. Im Alltag funktioniert alles reibungslos – bis etwas passiert, das ausserhalb des Gewohnten liegt. Dann zeigt sich, ob die Organisation vorbereitet ist oder ins Straucheln gerät.

In den letzten Monaten und Wochen gerieten immer wieder Schulen wegen unterschiedlicher Vorfälle in negative Schlagzeilen. Schlagzeilen, die sich oft hätten vermeiden lassen, wenn sie auf mögliches dünnes Eis vorbereitet gewesen wären.

In meinem Alltag habe ich oft mit Schulen zu tun und sehe, dass sie nicht auf einen Krisenfall vorbereitet sind. Es fehlen ein Krisenmanagement und ein Krisenkommunikationskonzept. Oft existieren zwar einzelne Elemente – ein Alarmplan, eine Notfallnummer, ein Dokument irgendwo im Schrank des Schulsekretariats –, doch ein ganzheitliches, regelmässig geübtes Krisen- und Kommunikationskonzept ist selten. Das Thema wird nach wie vor stark unterschätzt. Es besteht ein erheblicher Nachholbedarf.

Mögliche Krisen in Schulen

Die Bandbreite möglicher Krisen in Schulen ist gross: Gewalt- oder Bedrohungslagen, sexuelle Übergriffe, Suizid oder Suizidversuche, Mobbing und Cybermobbing, Fehlverhalten von Mitarbeitenden, Datenschutzverletzungen, Gesundheitskrisen oder Vorfälle auf Exkursionen. Jede dieser Situationen verlangt rasches, klares und professionelles Handeln – kommunikativ und organisatorisch.

Krisenkommunikation als Führungsaufgabe

Krisenkommunikation ist kein Luxus, sondern eine Führungsaufgabe. Eine Krise kann den Schulbetrieb stören, aber auch das Vertrauen von Eltern, Lernenden und Behörden nachhaltig erschüttern. Wer denkt, «uns passiert das nicht», unterschätzt die Realität – und das Risiko. Darum ist es wichtig, dass man sich gut vorbereitet. Dass man versucht, Krisen vorabzudenken. 
Hier helfen Krisenszenarios mit möglichst realen Situationen sehr. In einem Szenario ist es egal, ob man die Abläufe schon genau kennt, egal, ob alle Nummern vorhanden sind, egal, ob man im Interview "Fehler" macht. Aus Szenarien kann man wichtige Schlüsse ziehen, Verbesserungen anbringen, lernen, damit man im Ernstfall gerüstet ist.

Kleiner Test

Können Sie aus dem Stegreif auf folgende Fragen antworten?

  • Wann muss ich wen informieren?
  • Muss die Polizei, die Jugendstaatsanwaltschaft oder die KESB beigezogen werden?
  • Wann darf man mir einen Maulkorb verpassen?
  • Welcher Jurist, welche Juristin kann mich beraten?
  • Wer kann mir im Bereich Krisenkommunikation helfen?
  • Was darf ich wann, wem sagen?
  • Habe ich alle notwendigen Namen und Telefonnummern zur Hand? (Auch wenn das Schulsekretariat geschlossen ist)
  • Wer gibt Auskunft gegenüber wem?

Krisenkommunikation beginnen vor der Krise

Eine gute Krisenkommunikation beginnt vor der Krise, nicht erst mittendrin. Wichtig sind:

  • eine umfassende Risikoanalyse
  • der Aufbau oder die Überarbeitung eines Kommunikationsplans mit klaren Abläufen und Zuständigkeiten
  • klar definierte Kommunikationswege nach innen und aussen
  • vorbereiteten von Textbausteinen und Kommunikationsvorlagen
  • Medien- und Auftrittstraining
  • regelmässige Übungen, denn Übungen mit realistischen Szenarien schaffen Sicherheit und erleichtern schnelles Handeln
  • eine strukturierte Nachbereitung. 

Psychologische Unterstützung nicht vergessen

Und weil Krisen immer emotionale Folgen haben, gehört die psychologische Unterstützung von Lernenden und Mitarbeitenden zwingend dazu. Bei unzureichender Informationsarbeit läuft eine Schule Gefahr, Unsicherheit und Verwirrung zu erzeugen, Gerüchten, Spekulationen Tür und Tor zu öffnen und das Vertrauen zu verlieren. 

Krisenkommunikation als Kultur

Langfristig braucht es aber mehr als nur Pläne – es braucht eine Kultur. Krisenkommunikation sollte als fester Bestandteil moderner Schulführung verstanden werden, nicht als bürokratische Pflicht. Schulen, die offen, vorbereitet und transparent handeln, stärken Vertrauen und Sicherheit – bei Lernenden, Mitarbeitenden und Eltern gleichermassen.

Eine Schule, die in der Krise sicher steht, ist wie ein Pinguin 🐧 auf festem Eis – stabil und ihrer Umgebung gewachsen. Wer vorbereitet ist, handelt schneller, sicherer und empathischer und schützt damit nicht nur die Institution, sondern vor allem Menschen. 

👉 Möchten Sie sich und Ihr Team bestmöglich auf eine Krise vorbereiten? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf. In unseren Workshops zur Krisenkommunikation schauen wir die verschiedenen Arten von Krisen an, wo Kommunikation wirkungsvoll eingesetzt werden kann und welch wichtige Rolle sie und der Faktor Mensch im gesamten Prozess einnehmen. Zudem: Wenn Sie eine Krisensituation in einem praktischen Szenario erleben möchten, erarbeiten wir zusammen mit Ihnen ein individuell auf Sie zugeschnittenes Krisenkommunikations-Szenario und spielen es mit Ihren Mitarbeitenden live vor Ort durch. 

Die Autorin Claudia Jenni ist Geschäftsführerin und Inhaberin der Kommunikationsatelier GmbH, einer Kommunikationsagentur in Zürich für Unternehmenskommunikation, spezialisiert auf Krisenkommunikation, interne Kommunikation, Changekommunikation und Interim-Einsätze.

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